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41199 Mönchengladbach
St. Josef Bruderschaft Geistenbeck Bruderschaft Geistenbeck gegründet 1893

Historie der Bruderschaft

Über 130 Jahre Geistenbecker Geschichte: von neun Zusammenkünften im Jahr 1892 bis zu den elf Zügen und Gruppen, die die Bruderschaft heute tragen.

Die Gründung 1893

Die ersten Protokolle stammen aus dem Jahr 1892 und halten die neun Zusammenkünfte der Gründer fest. In der Gründungsversammlung am 12. Februar 1893 wurde der Schützenverein St. Josef ins Leben gerufen. Beistand erhielten die Schützen von Dechant Monsignore Ludwig Wiedemann von der Pfarre St. Laurentius.

Im Mittelpunkt stand zunächst der Schießsport: Sonntags lud man im Vereinslokal zum Preisschießen, und es gab bereits Vergleichskämpfe mit anderen Schützenvereinen.

Der erste Festzug galt als besonders gelungen, weil sich alle übrigen Ortsvereine anschlossen. Selbst die örtliche Presse nahm Notiz — mit einem Satz, den man in Geistenbeck bis heute gern zitiert:

Der Festzug war ein imposanter und bewundernswerter Aufmarsch, denn es liefen etwa fünfundzwanzig alte Narren hinter einem Pferdeschwanz her.

Wachstum und Patrozinium

Ab 1910 wuchs die Mitgliederzahl stetig. Um die Geschicke des Vereins ordentlich zu leiten, fand alle zwei Jahre eine Generalversammlung statt. Auf ihr wurde 1912 beschlossen, ein Fest zu Ehren des Schutzpatrons St. Josef abzuhalten. Darin begründet sich unser heutiges Patrozinium, bei dem bis heute die neuen Mitglieder per Handschlag aufgenommen werden.

Der Erste Weltkrieg machte auch vor Geistenbeck nicht halt; viele Schützenbrüder wurden einberufen. Den Daheimgebliebenen gelang es, das bruderschaftliche Gedankengut durch Versammlungen und kirchliche Anlässe zu bewahren.

Kirche, Fahne und ein neuer Name

1923 feierte man das 30-jährige Bestehen. Zeitgleich wurde der Grundstein der Heilig-Geist-Kirche gelegt, bei deren Bau zahlreiche Schützenbrüder mithalfen. 1925 war sie fertiggestellt und wurde vom Bischof eingeweiht. Am Sonntag nach der Einsegnung erhielt auch die Vereinsfahne die kirchliche Weihe durch Kaplan Conrad.

Am 19. Februar 1927 fiel der Entschluss, den Schützenverein in eine Schützenbruderschaft umzubenennen. Franz Rixen, Pfarrrektor in Geistenbeck, wurde erster Präses.

Nach der nationalsozialistischen Machtübernahme im Frühjahr 1933 verbot das Regime der Bruderschaft alle öffentlichen Auftritte. Aus den Jahren bis 1950 sind kaum Aufzeichnungen vorhanden.

Der Neuanfang nach dem Krieg

1941 wurde Johannes Pottbeckers Pfarrrektor in Heilig-Geist und damit Präses, 1950 übernahm Pfarrer Matthias Ginster das Amt. Einen neuen Schützenkönig gab es erst 1958 wieder — und er wurde nicht ausgeschossen, sondern gewählt. Die Ehre fiel auf den Vorsitzenden Wilhelm Meuser.

Öffentliche Auftritte blieben zunächst aus. Erst 1959 fand wieder eine Prunkfeier mit Festzug statt; Schützenkönig war in diesem Jahr Josef Oepen.

1962 gelang Schützenbruder Dieter Vieten das Kunststück, neben der Königswürde auch die des Bezirkskönigs zu erringen. Seit diesem Jahr stellten sich immer mehr Erfolge der Schießsportabteilung ein.

1965 wurde auf Initiative des Bürgervereins Geistenbeck an der Ecke Stapper Weg / Steinsstraße ein Ehrenmal errichtet, das seither auch der Totenehrung durch die Bruderschaft dient.

Ein Präses über Jahrzehnte

1975 bekam die Pfarre Heilig-Geist mit Johannes van der Vorst einen neuen Pfarrer — und die Bruderschaft einen neuen Präses, der ihr bis heute verbunden ist. 1979 übernahm er zusätzlich das Amt des Bezirksjungschützenpräses, 1984 führte ihn Dechant Schwelm in das Amt des Bezirkspräses ein.

2005 ernannte ihn Erzherzog Dr. Otto von Habsburg zum Ordenskaplan des Ritterordens vom Heiligen Sebastian; im Januar 2006 kürte ihn die Karnevalsgesellschaft Ruet-Wiss-Okerke zum 37. Burggrafen der Neuzeit in Odenkirchen.

1981: Die Bruderschaft öffnet sich

Ein Umdenken in der Gesellschaft führte 1981 dazu, dass die Bruderschaft auch Frauen zugänglich gemacht wurde. Im selben Jahr erfolgten Grundsteinlegung und Einweihung der neuen Heilig-Geist-Kirche auf der Geistenbecker Höhe, und das Schützenfest wurde erstmals mit einem Heimatabend abgeschlossen. Von 1983 bis 2003 diente dieser auch als würdiger Rahmen zur Ermittlung der neuen Majestäten. Seit 2004 werden sie montags vor dem Klompenumzug ausgeschossen.

Seit 1985 werden die Majestäten im Rahmen eines feierlichen Gottesdienstes in der Pfarrkirche gekrönt. 1986 wurde das Königssilber erneuert und erstmals von König Josef Küpper der Öffentlichkeit vorgestellt.

Es dauerte allerdings noch einmal sechzehn Jahre, bis 1997 mit Ulrike Stegmann erstmals eine Schützenkönigin an der Spitze der Bruderschaft stand. Nach ihr regierten Petra Krauß, Nadine Veenstra-Wirtz, Ilona Mörs, Marianne Lack und zuletzt Kerstin Rühlmann als sechste Königin.

Bräuche, die dazugekommen sind

Seit 1993 wird rund vier Wochen vor dem Schützenfest der Zunftbaum mit den Emblemen aller Gruppen der Bruderschaft am Kirmesplatz aufgestellt. Im Januar desselben Jahres fand zum ersten Mal die Festkleiderbörse statt — ins Leben gerufen von den Trachtenfrauen, später weitergeführt von Frauen der Bruderschaft, der Erlös stets für einen sozialen Zweck.

2002 entschloss sich die Bruderschaft erstmals zu einer Rock-, Pop- und Oldienacht mit der Coverband just:is. 2016 kam die Geistenbecker Partynacht mit drei verschiedenen Gruppen dazu.

Eine Nacht, die man nicht vergisst

Zum Schützenfest 1999 brannte die Königsresidenz von Willi Nilges ab. Es blieb glücklicherweise bei Sachschaden — und die Bruderschaft zeigte, was Zusammenhalt bedeutet: Noch in der Nacht war die Materialbeschaffung geklärt, ab fünf Uhr am Sonntagmorgen bauten etliche Bruderschaftler und viele freiwillige Helfer die Residenz neu auf.

Damit nicht genug: Die Residenz der Prinzessin Christina Paschen musste gleich zweimal neu errichtet werden. Erst blieb ein durchfahrendes Auto stecken, dann rafften Sturm und Hagel die ganze Arbeit wieder dahin.

Die neue Fahne von 2012

Am 3. Juni 2012 weihte Präses Johannes van der Vorst während des Schützenfestes die neue Bruderschaftsfahne. Der heilige Josef stammt aus der im Zweiten Weltkrieg zerstörten Gründerfahne von 1893 und wurde mittels Scherenschnitt aus dem desolaten Original herausgetrennt.

In achtmonatiger Kleinarbeit wurde die Gestalt mit Lupentechnik in Nadelmalerei und Haargoldtechnik erneuert, die Glorie mit Haargold, Plättgold und Japangold neu gestaltet. Auf der Rückseite ist die Pfarrkirche Heilig-Geist zu sehen, gekrönt von einer schwebenden Taube. Das Werk entstand vollständig in manueller Stickerei im Atelier des Paramentenkünstlers Hubert Schüler.

Die Bruderschaft in der Gemeinde

Die Bruderschaft gilt als fester Bestandteil der Geistenbecker Gemeinde und hat sich vielfach sozial engagiert: die Altpapiersammlungen der Jahre 1980 bis 1985, die Aktionen „Rettet Schloß Rheydt“ und „Helft Ute“ im Jahr 1998 oder die Sachspenden für das St.-Josef-Haus in Odenkirchen — um nur einige Beispiele zu nennen.

Unsere Präsides

ZeitraumPräses
GründungszeitPfarrer Dechant Ludwig Wiedemann
1927–1941Pfarr-Rektor Franz Rixen
1941–1950Pfarr-Rektor Johannes Pottbeckers
1950–1975Pfarrer Matthias Ginster
seit 1975Pastor Johannes van der Vorst

Unsere Brudermeister

ZeitraumBrudermeister
1912–1916Matthias Klöters
1916–1918Wilhelm Bläser
1918–1956Wilhelm Meuser
1956–1959Wilhelm Pöstges
1959–1964Wilhelm Meuser
1964–1974Barthel Mewissen
1974–1976Heinz-Josef Esser
1976–1980Barthel Mewissen
1980–2001Karl-Heinz Gillessen
2001–2009Theo Dederichs
2009–2011Stephan Breuer
2012–2015Rolf Wateler
2015–2025Hartmut Nix
seit 2025Kerstin Langenberg

2015 gelang es dem 25-jährigen Kai Kuhlen, die Würde des Bezirksprinzen und erstmals in der Vereinsgeschichte die des Diözesanprinzen zu erringen. 2020 und 2021 musste auch die Bruderschaft coronabedingt auf ihr Schützenfest verzichten. 2023/24 wurde Oliver Klomp nach seinem Königsjahr Bezirksminister.

Im Januar 2025 stellte sich die Bruderschaft mit einer Vorstandsreform neu auf, um frischen Schwung zu gewinnen. Seither führt Kerstin Langenberg die Bruderschaft als Brudermeisterin.

2025 vollbrachte Stephan Horn das Meisterwerk und wurde zum fünften Kaiser der Bruderschaft gekrönt. Vor ihm bekleideten Klemens Schloßmann, Thomas Reichert, Johann Sieben und Johann Püllen dieses Amt.

Und heute?

Elf Züge und Gruppen tragen die Bruderschaft, vom Offizierszug Heilig Geist über die Marketenderinnen bis zum Artilleriezug. Gefeiert wird beim Volks-, Heimat- und Schützenfest, beim Patronatsfest im März und bei vielen Gelegenheiten dazwischen.

Festzug durch Geistenbeck
Festzug durch Geistenbeck
Krönungsball
Krönungsball

Wer das miterleben möchte, ist eingeladen — als Gast bei einem Termin oder gleich als Mitglied.